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Alter Kirchhof mit Brunnen

Kirchplatz 2

  • Bis 1804 Kirchhof neben der Pfarrkirche St. Severin
  • Brunnen mit Pumpe bestand seit Alters her
  • Gemauerte Säule wurde 1845 errichtet

Der Kirchhof ist so alt wie die Lindlarer Kirche. Alle Toten des Pfarrbezirkes wurden hier beerdigt. Das bedeutete, dass auch die Toten der weit entfernten Dörfer mühselig hierher transportiert und im Schutz der Kirche beerdigt werden mussten. Im Mittelalter diente die Kirchhofsmauer zum Schutz der Bürger und als Wehranlage für die Kirche. Vor den Eingängen zum Friedhof war eine mit einem Eisenrost bedeckte Grube ausgehoben worden, um das Eindringen der Tiere zu verhindern. In Kriegszeiten, als Verteidigung und Schutz vor Feinden, konnten die Eisenroste hochgezogen werden. Wahrscheinlich ergänzt wurde diese Befestigung durch einen weiteren äußeren Schutzwall mit einer dichten Dornenhecke und einem Außengraben. Der sonntägliche Kirchgang der Gläubigen führte vorbei an den Gräbern der Angehörigen. Dort traf sich das Dorf, sodass der Kirchhof ein Ort war, wo Gespräche geführt und Neuigkeiten ausgetauscht wurden. Das Erscheinen in der Kirche war Pflicht. 

1804 wurde ein „neuer“ Kirchhof außerhalb des Ortskerns auf „den Hasenkamp“ verlegt. Diese Maßnahme der französischen Besatzung entsprach den damals fortschrittlichen, medizinischen und baulichen Überlegungen.  

Um 1812 wurde der frühere Kirchhof mit Lindenbäumen bepflanzt und als „Unter den Linden“ bezeichnet. Hier fanden Konzerte und öffentliche Veranstaltungen wie auch Kirmes und Zirkus statt. Bis etwa 1980 fand hier am Tag des Schützenfestes vor dem Kirchgang der Schützen immer ein beliebtes Platzkonzert statt.

Der Brunnen mit der Pumpe auf dem Kirchplatz bestand ebenfalls schon seit Alters her. Im Jahre 1845 war er dermaßen verfallen, dass man eine Interessengemeinschaft bildete und die Fördertiefe um weitere 9 Meter ausbaute, um einen ausreichenden Grundwasserzufluss zu gewährleisten. Auch eine notwendige Pumpe für diesen öffentlichen Brunnen wurde 1882 installiert. Dieser Brunnen wurde von der Nachbarschaft gern abends aufgesucht, um die Wassereimer für den nächsten Morgen zu füllen und um die Neuigkeiten des Tages zu erfahren. Ein Treffpunkt für Jung und Alt. Eine Wasserleitung für den Ort gab es erst 1887, so berichtet Johann Külheim in seinen Jugenderinnerungen. Die gemauerte Säule von 1845 neben der Pumpe war als Denkmal zur Erinnerung an die fertiggestellte Straßenverbindung von Engelskirchen über Lindlar nach Wipperfürth aufgestellt worden. Ein großes Volksfest feierte damals diese Neuheit und damit auch die wiederhergestellte Wasserpumpe.

Weiter sehenswert: 

Das Sakramentshäuschen von 1722, gestiftet von Peter Halffman aus Vellingen und seiner Ehefrau. Das Missionskreuz von 1765. Ebenfalls die Grabsteine außen an der Kapellenwand der Kirche bezeugen das Alter und die Nutzung des Friedhofs seit Jahrhunderten. Der älteste Grabstein, der erhalten geblieben und gefunden wurde, stammt aus dem Jahr 1615. Das Gedenkkreuz von 1695 erinnert an Rembert Dietrich von Cloed, letzter Ritter von Breidenbach und Amtverwalter zu Steinbach. Er kam bei einem Dienstritt durch den Sturz vom Pferd bei der „Schätzmühle“ zu Tode. Vor dem alten Missionskreuz von 1765 liegen zwei Grabsteine von Priestern, die ursprünglich in der Pfarrkirche beerdigt waren. Bei den Restaurierungsarbeiten innerhalb der Kirche wurden die Grabplatten umgesetzt.

Quellen und Recherche:

  • Quellen:
  • Infos:
  • Historische Geographie, Der Friedhof in Lindlar, Berg. Geschichtsverein, P. Friepörtner
  • J. Külheim, Lindlarer Jugenderinnerungen, P. Friepörtner
  • Fotos:
  • Zeichnung des Alten Kirchofs, 1831, GAL Urkataster
  • GAL Fotobestand Großformat Nr. 68
  • GAL Fotobestand ab 1975 Nr., 253, 976
  • GAL Kalendersammlung unverzeichnet, Kalenderblatt Nov. 2020
  • Text: B. Braatz