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J Landwirtschaftsschule, Pollerhofstraße 35

Pollerhofstraße 35

  • Eröffnet im Oktober 1910
  • Zunächst für 28 Landwirte
  • Ab November 1927 Hauswirtschaftsschule für Frauen
  • Auflösung 1966
  • Hotelbetrieb ab Beginn der 2000er Jahre

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Umsetzung in die Praxis waren für die Landwirtschaft in „Rheinpreußen“ im Verlauf des 19. Jahrhunderts ganz enorm. (J. Liebig aus Gießen erfand 1840 den mineralischen Dünger, wodurch die Erträge im Pflanzenanbau auch auf schlechteren Böden gesteigert werden konnten). Um bessere wirtschaftliche Erträge zu bekommen mussten diese Erkenntnisse auch in die kleinbäuerliche Welt des Bergischen Landes kommen. Deshalb wurde 1832 der „Landwirtschaftliche Verein für Rheinpreußen“ gegründet.  Zuerst wurden Wanderlehrer eingesetzt und dann wurden Winterschulen für die Landwirte gegründet. Die Landwirtschaftskammer Bonn regte die Einrichtung einer Winterschule im Kreis Wipperfürth an.  Der Gemeinderat in Lindlar hielt seinen Ort als besonders geeignet für die Gründung einer Landwirtschaftsschule. Lindlar stellte sich als „Mittelpunkt des Kreises dar und durch die Fertigstellung der Bahnlinie Immekeppel-Lindlar sei Lindlar für die Landwirte aus Hohkeppel, Kürten und Olpe ideal zu erreichen“. Die Gemeinde sei ebenfalls bereit, für die Schule finanzielle Mittel aufzubringen, soweit es die Haushaltslage zuließe. 1909 beschloss der Kreistag Lindlar als Sitz der „Winterschule“ zu bestimmen. Im Oktober 1910 war die neue Schule fertig und das Wintersemester konnte für 28 junge Landwirte beginnen. Lehrstoff war die Grundlehre der Landwirtschaft mit den Kenntnissen der Eigenschaften des Bodens und des entsprechenden Ackerbaus für diese Region. Weiterer Unterricht galt der Tierzucht und der Tierhaltung etc.

Während des Ersten Weltkrieges musste der Unterricht ausfallen und im November 1919 konnte wieder begonnen werden. Da während der Kriegszeiten viele Frauen in der Landwirtschaft arbeiteten, kam es zu der Forderung, dass auch für die Landwirtinnen, das Fachwissen und das Allgemeinwissen benötigt wurde.

1926 beschloss der Kreistag die Einrichtung einer „Hauswirtschaftsschule“ für die Frauen an der „Landwirtschaftsschule“ einzurichten. Die Gemeinde stimmte dem Konzept der Baukostenübernahme und der Unterhaltskosten zu und im November 1927 wurde der Unterricht für die Frauen gestartet. Das Schulgebäude war noch einmal um das ursprüngliche Maß der Männerschule verlängert worden. Das „Wirtschaftswunder“ und die Einführung der „Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft“ zwangen die hiesigen vorwiegend kleinbäuerlichen Betriebe nach und nach zur Aufgabe. Nur noch größere mit besser ausgebildeten Betriebsleitern konnten die erforderlichen Erträge in der Landwirtschaft erwirtschaften. Die Schülerzahlen gingen stark zurück und die Landwirtschaftsschule wurde 1966 aufgelöst.

Heute ist in diesem schönen Gebäude ein Hotel untergebracht.

Quellen und Recherche:

  • Quellen:
  • Infos:
  • Sammlung Rita Kelleter
  • Fotos:
  • GAL Fotobestand bis 1930 Nr.92, 94
  • GAL Postkartenbestand Nr. 85
  • GAL Fotobestand ab 1975 Nr. 974
  • 2026, Foto Doris Kisters, bearbeitet Eva Fielenbach
  • Text: B. Braatz, 2025