I
Herz-Jesu-Krankenhaus
Hauptstraße 55
- Testamentarische Spitalstiftungen
- Eröffnung 1891
- Schwestern der "Armen Dienstmägde Jesu Christi", später Borromäerinnen
- Kapelle und Erweiterungsbau durch Architekten Dominikus Böhm
- Aufgabe des Krankenhauses in 2018
- Umbau zum Senioren-Park carpe diem Lindlar
Das frühere Lindlarer Krankenhaus war eine testamentarische Spitalstiftung des Lindlarer Pfarrers Johannes, Wilhelm Fischer aus dem Verkauf seines Gutes, einer großzügigen Spende der Gebrüder Wilhelm und August Berghäuser aus Rölenommer und des Schreiners Christian Miebach aus Linde. Pastor Fischer bildete ein Baukomitee. 1883 wurde das Grundstück gekauft und 1891 erfolgten die Fertigstellung und die Übergabe an den Kirchenvorstand. Lindlar hatte durch diese Einrichtung: ein Haus für elternlose Kinder, ein „ Altenheim“, eine „Armen Wohnung“ und ein Krankenhaus, alles abgedeckt durch den Willen der Stiftung und der christlichen Vorstellung einer „Hospitaleinrichtung“. Das Waisenhaus war noch bis in die 1940er Jahre tätig. Es war notwendig geworden und erklärbar durch die Tatsache der frühzeitigen Sterblichkeit der Männer und Väter, bedingt durch ihre Arbeit im Steinbruch. „ Lindlar das Dorf der Witwen und Waisen“. Der Wunsch des Pastors Fischer: Die Aufnahme in das Spital sollte ohne Unterschied der Konfession geschehen. Die Verwaltung führte der Kirchenvortand und „ unter Hinzutritt des zeitigen Pfarrers als stimmberechtigtes Mitglied“. Die Möglichkeit der Absicherung im Alter durch den „Kauf eines Wohnrechtes“ mit Verpflegung und Pflege war ebenso möglich.
Die Versorgung mit landwirtschaftlichen Lebensmitteln für das Krankenhaus war durch eine eigene, umfangreiche und komplette Landwirtschaft bis in die 70er Jahre gesichert (Wirtschaftsgebäude Nr. 144). Bis in die 1920er Jahre wurden die Kranken zu Hause versorgt und der Arzt machte Hausbesuche. Eine Einweisung erfolgte erst, wenn die häusliche Betreuung nicht mehr ausreichte. Im Krankenhaus übernahm der Arzt die Betreuung, aber Operationen wurden nur in Köln durchgeführt. Die Pflege im Krankenhaus geschah zunächst durch zwei Schwestern des Ordens der „Armen Dienstmägde Jesu Christi“, also Nonnen, und so wurde das Haus auch als Kloster in der Klosterstraße bezeichnet. 1927-1929 erfolgte die Erweiterung des Krankenhauses durch den Architekten D. Böhm. Die ständig wechselnde Anzahl der Patienten forderte eine Versorgung mit 90 Betten nach Fertigstellung. Mitte der 50er Jahre arbeiteten dort drei fest angestellte Ärzte: Bereits seit 1930 der Chefarzt Dr. Meinerzhagen für die chirurgische gynäkologische Abteilung, seit 1952 Dr. Keppel, für die Innere Medizin, und Frau Dr. Keutgen, zuständig für die Tuberkulose. In Lindlar war durch die Arbeit im Steinbruch die Berufskrankheit der Staublunge virulent. Die Ordensschwestern der „Grafschafter Borromäerinnen“ übernahmen jetzt die Pflege.
In den Jahren 1966-1975 wurden Erweiterungen und Modernisierungen notwendig um eine Bettenzahl von 190 zu erreichen. 1968 wird Dr. med. Meinerzhagen für seine Verdienste zum Ehrenbürger der Gemeinde Lindlar ernannt. 1977 wurde eine Urologie eröffnet; die Gynäkologie und Anästhesiologie machten das Krankenhaus komplett. 1981 gibt der Orden der Boromäerinnen vom HL. Karl Borromäus mangels Personal die Trägerschaft des Herz-Jesu- Krankenhauses ab. 2002 wurden die „Fallpauschalen“ eingeführt und das Krankenhaus schrieb Verluste.
Nach und nach wurden die Abteilungen geschlossen und zum Schluss 2018 hatte Lindlar keine Krankenhaus-Versorgung mehr. Auch die schöne Architektur der Erweiterungsbauten zum ursprünglichen Haus geplant durch den bekannten Kölner Architekten Dominikus Böhm aus den 1920er Jahren rettete nichts. Ausgeführt wurden diese Arbeiten durch die damaligen Lindlarer Bauunternehmer Josef Knauf und August Lob. Erhalten geblieben ist in der Mitte des heutigen Wohnteils die ursprüngliche Fassade der Kapelle, aus Bruchsteinen gemauert.
Alternativ zur Grundversorgung ist heute hier ein Ärztehaus mit verschiedenen Arztpraxen und weiteren medizinische Dienstleistungen entstanden.
Weitere Impressionen:
Quellen und Recherche:
Infos:
- GAL Sammlung Ursula Homberg Nr. 161
Fotos:
- GAL Fotobestand bis 1930 Nr. 436
- GAL Postkartenbestand Nr. 4
- GAL Fotobestand Großformat Nr. 19
- GAL Fotobestand ab 1975 Nr. 220
Text:
B. Braatz, 2026