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G

Bahnhof Lindlar mit Wasserturm

Bahnhofstraße

  • Eröffnung am 16.12.1912
  • Direkter Bahnanschluss für die Steinbruchindustrie
  • Personentransport bis 1961
  • Gütertransport bis 1966

In einem feierlichen Festakt wurde am 16.12.1912 der Bahnhof Lindlar eröffnet. Der Bahnhof gehörte damals zur Reichsbahnklasse III mit folgenden wichtigen Details: Empfangsgebäude mit Warteraum, Bahnhofsgaststätte, Separate Toiletten, eine Zollstation, ein Wasserturm, Kohlenbansen, Güterschuppen, Lokschuppen für zwei Lokomotiven, Drehscheibe, da Lindlar ein Sackbahnhof war, und einen Gleisanschluss zu der Verladestation der Linzer Basalt AG. Eine gepflasterte Zufahrtstraße vom Bahnhof bis zur Altenlinde und dem Hof Spicher wurde notwendig für den Gütertransport.

Die Fahrgäste hätten es lieber etwas bequemer und moderner gehabt, man sprach abschätzend „von den Holzsitzbänken in den Abteilen“, scheinbar kannten sie die Klasse vier (ohne Sitzbänke) der Reichsbahn nicht.

Zu Anfang führte die Strecke von Köln-Mülheim über Bergisch Gladbach, Forsbach, Immekeppel, Obersteeg, Hommerich nach Linde-Bruch und von dort aus, nach Überquerung des Sülztales (Viadukt) die Bergflanke hinauf zum hochgelegen Kirchdorf Lindlar, dem Endpunkt. Erst 1927 kam die direkte, kürzere Verbindung über Immekeppel, Rösrath, Rath-Heumar nach Köln zustande.

Mit der neuen Bahnlinie erblühte für einige Zeit in Lindlar der Tourismus. Die Ausflügler aus Köln kamen in den „Luftkurort Lindlar“ und auf dem Falkenhof wurde ein Kurhotel eröffnet. Für die einheimische Bevölkerung ergaben sich beruflich neue Perspektiven. Hatte man bisher in den Steinbrüchen oder in der Landwirtschaft gearbeitet, war jetzt der Weg frei für eine Arbeit in Köln und auch der Arbeitgeber Reichsbahn wurde attraktiv. Für die „Steinbruchbarone“ des Brungerst bedeutete dies, das Beschäftigungsmonopol war gebrochen. Andererseits hatten sie nun einen direkten Bahnanschluss. Durch den Bau einer Bremsbahn vom Brungerst hinunter zum Bahnhof und der Verlademöglichkeit der Grauwacke auf die Bahn war das Geschäft wirtschaftlicher geworden. Engelskirchen verlor sein wirtschaftliches Hinterland. Denn die bisherigen Wirtschaftsströme flossen von Süd nach Nord über Wipperfürth bis Remscheid. Nun war die Verbindung von Ost nach West bis in die Industriebetriebe Kölns vorhanden. Das Zeitalter der Postkutschen war vorbei. Die neu gebaute Lennefetalstraße verstärkte diese Verbindung nach Westen. 

Jedoch der Bahnhof war zu weit vom Dorfkern entfernt, das spielte vor allem in den späteren Jahren der zunehmenden Automobilisierung eine Rolle. Die Fahrgäste blieben weg und der Güterverkehr für Stückgut wie Langholz, Steine und Landprodukte konnten das Defizit der Streckenführung nicht aufhalten. In den sechziger Jahren wurde die Strecke wegen geringer Nutzung eingestellt.

Quellen und Recherche:

  • Quellen:
  • Infos:
  • Geschichtsverein Rösrath/Hoffmann Die Sülztalbahn
  • Fotos:
  • GAL Fotobestand bis 1930 Nr. 108, 220
  • GAL Fotobestand 1931-1974 Nr. 253, 257
  • GAL Fotobestand ab 1975 Nr. 417
  • GAL Postkartenbestand Nr. 81, 345
  • GAL Fotobestand Übergröße Nr. 31
  • Text B. Braatz, 2025