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B Altes Amtshaus

Hauptstraße 12/Markplatz 1

  • Stattliches herrschaftliches Bürger- und Patrizierhaus
  • Denkmalgeschützt
  • Sitzung des Schultheißen des Amtes Steinbach
  • 1795 Verhandlungsort zur "neutralen Zone"
  • Später Notariat und Wohnhaus
  • Heute Restauration mit Trauzimmer

Das „Alte Amtshaus“ ist ein stattliches, herrschaftliches Bürger- oder Patrizierhaus und vom Alter und der Architektur vergleichbar zu den Häusern in Lindlar aus der Zeit Mitte des 18. Jahrhunderts. Das Erdgeschoss besteht aus Grauwacke-Bruchsteinen und das Obergeschoss in Fachwerk mit einem Satteldach, die Giebelseiten wie üblich verschiefert, beide Frontseiten nach Norden und Süden sind mit einem Kalk-Zementputz versehen. Der Türrahmen und der Sturz über der Tür mit einem Oberlicht besteht aus Werkstein. 

In dieser Ausstattung und dem kulturhistorischen Hintergrund ist dieses Haus ein besonderes und wurde unter Denkmalschutz gestellt. 

Aus den Urkunden des Gemeindearchivs lässt sich die Nutzung des Hauses seit den Jahren 1750 oder 1760 belegen und die Bedeutung Lindlars als Verwaltungssitz erkennen. Der Schultheiß des „Amtes Steinbach“ und der Kämmerer ziehen als Verwaltungsbeamte nach Lindlar. Das „Amt Steinbach“ war der ursprüngliche Verwaltungssitz auf Burg Steinbach in der Nähe von Lindlar. Dieser Sitz war baufällig geworden und deshalb verlegte man den Arbeitsplatz nach Lindlar. Der „Schultheiß“ war der Bürgermeister und zugleich Richter, er zieht in das Amtshaus ein. Der „Kämmerer“, ein Finanzbeamter, der sich um die Steuerabgaben der Höfe kümmerte, zieht in das Haus der heutigen „ Adler Apotheke“ ein. 

1789 brach die „Französische Revolution“ aus und der über Jahre folgende Krieg erfasste auch das Bergische Land. 1795 war Lindlar zufällig auf einem „neutralen Boden“ zwischen den Kriegsparteien und wurde deshalb zum Verhandlungsort der Befehlshaber Österreichs und den französischen Truppen zur Herstellung eines zeitweiligen Waffenstillstands in der „neutralen Zone“, die entstanden war zwischen Agger und Wupper.  1796 trafen sich der Marschall Ney und der General Wurmser erneut zu einem Treffen, um die Zusammenstöße der französischen und österreichischen Truppen um Lindlar herum zu verhandeln und neue Demarkationslinien festzulegen.
Doch diese Verhandlungen hatten das Dorf nicht nachhaltig vor der französischen Besatzung und Herrschaft gerettet. 1805 ging das Herzogtum Berg an Frankreich und das „Amt Steinbach“ wurde aufgelöst. Der „Kanton Lindlar“ entstand und der erste Bürgermeister war nun ein Vorsteher des „Friedensgerichtes Lindlar“ und das war ein Kolonialwarenhändler Klug. Nach dem Sieg über Napoleon und der französischen Armee übernahm Preußen das Rheinland und durch die Machtübernahme (Rheinprovinz) kam die preußische Verwaltungsreform von 1815. Das Amtshaus wurde versteigert und ab dann als Notariat und Wohnhaus benutzt. 

Im Laufe der Zeit gelangte es etwa 1920 in den Besitz des Freiherrn von Fürstenberg von Heiligenhoven, mit zahlreichen Wohnungen und einem Büro für den Verwalter (Rentmeister) des Gutes Heiligenhoven. Wir müssen uns dieses Haus um 1900 in einer ländlichen Idylle vorstellen. Weite Obst- und Gemüsegärten bis hinüber zum Wiedenhof, dem Pfarrhaus auf der anderen Seite der Straße und bis zum Parkplatz des heutigen „REWE Marktes“. Der heutige Eingang mit Treppe war der frühere Weg in den Garten. Der offizielle, repräsentative Eingang war auf der gegenüberliegenden Seite (Nordseite) des Hauses zur damaligen Straße hin.

Nachdem das Haus unter Denkmalschutz gestellt wurde, kaufte die gemeindeeigene „Bau- und Grundstücks GmbH“ das Haus und unterhält hier das Trauzimmer, zeitweilig auch die Räume für die Lindlar Touristik. Heute haben wir hier ein beliebtes Restaurant mit einer schönen Außengastronomie.

Quellen und Recherche:

  • Quellen:
  • Infos:
  • Publikation „Altes Amtshaus“, 2000
  • Dr. J. Gronewald, Gebäude und Straßen in Lindlar, 1996
  • Fotos:
  • GAL Fotobestand ab 1975 Nr. 69 (Jens Schmitz), 972 (Ursula Homberg)
  • GAL Fotobestand Großformat Nr. 239 Foto eines Gemälde von Hugo Hagenkötter)
  • Tafel aus dem „Alten Amtshaus“, Repro Guido Wagner
  • Zeichnung der Haustür „Altes Amtshaus“, Clara Bourdin
  • GAL Postkartenbestand Nr. 249, Fotograf unbekannt
  • Text: B. Braatz, 2025