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A Kath. Pfarrkirche St. Severin

Kirchplatz 2

  • Erste urkundliche Erwähnung in 1109
  • Ursprünglich romanische Kirche
  • Langhaus mit Turm und offener barocker Laterne, schlanke Haube, ca 42 m.
  • 1824-1826 Erneuerung des Langhauses
  • Amessungen bzw. Anwendung des "goldenen Schnittes"
  • Architekturvorgaben durch Karl Friedrich von Schinkel, Ausführung durch Architekt Biercher
  • Romanische "Empore", zwei schlanke Säulen aus "Kalksinter"
  • Taufbecken aus Trachyt-Gestein aus dem Jahr 1235....

Die Kirche wurde auf einer Anhöhe über der Siedlung Lindlar in der Nähe des Lenneferbachs gegründet. Der frühe Fronhof mit seinen Bauern und die später folgende Kirche sind auf einem Grundstück entstanden und waren im Besitz des Klosters St. Severin in Köln. Vor der Gründung der Pfarrkirche Lindlar soll eine St. Luzia Kapelle bereits dort gestanden haben. Im 12. Jahrhundert wird es sicher auch einen ersten Kirchenbau vor der urkundlichen Erwähnung (1109) an dieser Stelle gegeben haben. Patron der  Pfarrkirche ist der Heilige Severin. Severin ist der dritte Bischof von Köln aus der Zeit des 4. Jahrhunderts.

Von der ursprünglich romanischen Kirche aus dem 11./12. Jahrhundert ist nur der Kirchturm erhalten geblieben, der wurde nach dem Brand der Kirche von 1626 (dreißigjähriger Krieg) teilweise erneuert und in der Mauerbreite verstärkt. Eine typisch westfälische Architektur mit einem vorgestellten Vierkantturm im Westen vor dem Langhaus. Einem Querschiff und mindestens einem Chor oder einer Apsis. Viele der romanischen Kirchen in Oberberg haben dieses Erscheinungsbild, sagen die Fachleute. 

Eine mächtige Erscheinung der Kirche mit ihrem Langhaus und mit dem Turm mit offener, barocker Laterne, schlanker Haube und einer Höhe von etwa 42 Metern.Der zweitälteste Teil der Kirche ist der Chor, zwischen 1495 und 1500 wurde die Apsis der romanischen Kirche abgerissen und erweitert durch das Querhaus mit einem Chor im gotischen Stil. 

1824-1826 wurde das baufällige gewordene Langhaus zwischen Turm und Chor abgerissen, erneuert und erweitert (Dechant Vrede).Es entstand im Inneren die heutige Hallenkirche, die in ihren Proportionen wohltuend überzeugt und durch die Abmessungen bzw. Anwendung des „goldenen Schnittes“ in der  Architektur gefällt. Die Helligkeit des Raumes wirkt durch die klarsichtigen Fenster.

Der preußische Architekt und Leiter der Berliner „Oberbaudeputation“ Karl Friederich von Schinkel hat hier mit seiner Architekturvorgabe und der Ausführung durch den Architekten Biercher aus Köln eine typische Hallen-Kirche geschaffen. Im Inneren des Kirchenraumes sorgt die romanische „Empore“, mit Öffnung zum Kirchenraum, getragen von zwei schlanken Säulen aus „Kalksinter“, für Erstaunen. Der „Kalksinter“ stammt aus den Ablagerungen der römischen Wasserleitung, die von der Eifel (Nettersheim) nach Köln führte.Hier geht man in der Erklärung von einer Empore aus, die rückführend bis in das 15. Jahrhundert, ein Aufbewahrungsort für die Kirchenkasse, dem Taufregister und einem Dokumentenarchiv für das dreimal jährlich stattfindende Frongericht war. Ebenso war die Loge eine Kapelle, den ortsansässigen Grund- und Fronherrn sowie den Gemeindeoberen während des Gottesdienstes, zur Andacht vorbehalten und wie sehr häufig, „Michaelskapelle“ genannt. 

Das Taufbecken aus dem Trachyt-Gestein des Siebengebirges aus dem Jahre 1235 im rechten Seitenaltar ist ebenfalls sehenswert. Das Becken steht auf sechs Säulchen mit  einem floralen Band um den Taufstein herum.

Die Pieta aus dem 15. Jahrhundert ist ebenso eindrucksvoll.

Es gab auch helle Aufregung und Streit unter der Bevölkerung vor dem Portal der St. Severins Kirche als ein Glockengeläut bei  der Beerdigung einer evangelischen Christin von den Feilenhauern aus Remscheid eingefordert wurde. Die Feilenhauer kamen ursprünglich aus Remscheid, waren zum großen Teil evangelischen Bekenntnisses und arbeiteten in den Feilenhauer Betrieben in Lindlar. 

Die Besonderheit für Lindlar war, dass die Glocken Eigentum der Pfarrgemeinde waren und der Zugang zu den Glocken von der Kirchengemeinde nicht freigegeben wurde, die Gemeindeverwaltung aber ein Geläut für diese Verstorbene und „Andersgläubige“ einforderte. Hier musste also ein „Exempel“ statuiert werden (Eigentumsverhältnisse bei Kirchtürmen und Uhren).

Der Schwiegersohn der Verstorbenen, ein „Remscheider Schmied“, ging also auf das Kirchentor zu und stemmte mit einer Brechstange das Tor leicht an (anknippen). Daraufhin öffnete der Pastor Feldhof das Tor und der bereits anwesende Bürgermeister Mausbach sowie der Ortsgendarm mit gezogenem Säbel mussten vor dem Portal die aufgewühlte Bevölkerung beruhigen und die Glocken begannen zu läuten. Mausbach war Bürgermeister von 1890 bis1897.

Quellen und Recherche:

  • Quellen:
  • Infos:
  • Johann Külheim, Lindlarer Jugenderinnerungen o.D.
  • Romanik in Oberberg, M. Eckstein, Band 15 Beiträge zur Oberbergischen Geschichte
  • Fotos:
  • Bergische Wacht, o.D.
  • GAL Postkartenansichten Nr. 59
  • GAL Fotobestand 1931-1974 Nrn. 287, 288
  • GAL Fotobestand ab 1975 Nr. 78
  • Text: B. Braatz