Nr. 142
Gastwirtschaft Karl Ommer
Hauptstraße 34,36,38
- Bäcker- und Kleinhändlerfamilie
- Schlagbaum mit "Barriere-Geld" vor dem Haus, bis 1876
- Von 1864-1872 Poststation
- Tanzsaal im Obergeschoss
Eine Bäcker- und Kleinhändlerfamilie, die auch eine Gastwirtschaft betrieb. Diese Geschäftigkeit ergab sich aus der Tatsache, dass vor dem Haus Ommer in der Hauptstraße ein Schlagbaum stand, an dem die Fuhrleute „Barriere-Geld“ bezahlen mussten. Eine unbeliebte Steuer, eine „besondere Schikane“ sagten die Fuhrleute. Nach Protesten, die bis nach Berlin gingen, wurde sie 1876 aufgehoben, und somit verschwand der letzte Schlagbaum in Lindlar. Karl war der Sohn des Christian Ommer (1820-1900).
Von 1864 bis 1872 war hier eine Poststation.
Im Obergeschoss des Hauses Ommer wurde im großen Saal getanzt und Tanzunterricht genommen. Die Kurse wurden gut besucht. Die Familie des Dr. Joerrens aus der Nachbarschaft war besonders groß und sehr zahlreich auf der Tanzfläche. Der Tanzlehrer Willy Ochel gab ab Oktober abends Tanz- und Anstandsunterricht. Öfter gab es auch Tanzschlachten, wenn bei öffentlichen Veranstaltungen die „Honoratioren“ aus Lindlar die Tanzfläche für sich beanspruchten und das Gros der Festbesucher für längere Zeit an die Wand gedrückt wurde. Dann kam Stimmung auf und die Kapelle musste durch besondere Einlagen für alle diese Situation retten.
Die Tochter Maria Ommer heiratete Wilhelm Havers. Der Sohn aus dieser Ehe war Leo Havers, Professor, Chirurg, Anästhesist mit einer Professur in Bonn. L. Havers erbte von seinem Großvater mütterlicherseits ein Wohnhaus mit Mühle in Kaufmannsommer. Bei den Renovierungsarbeiten bekam er Kontakt mit dem Freilichtmuseum Lindlar und wurde zum Gründungsmitglied des Museums 1988.
Quellen und Recherche:
Infos:
- Lindlarer Jugenderinnerungen Johann Külheim, 1955
Fotos:
- GAL Fotobestand Großformat Nr. 40 -mit Pfeil-
- Zeichnung o.D.
Text:
- B. Braatz, 2026