Nr. 030
Haus Johann Lob, Bürgermeister Court, C.H. Steinheuer
Kamper Straße 1
- Erbaut in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
- Johann Lob als Steinbruchbesitzer
- Sitz des ersten Bürgermeisters Alexander Court
- 1858 verkauft an die Familie Kessler/Steinheuer
- Zeitweise Sitz der Lindlarer Notare und Praxis einer Kinderärztin
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren die Steinbruchbesitzer vermögend und bauten für sich und die vermögenden Lindlarer Bürger die schönsten Häuser im „Bergischen Stil“.
Johann Lob als Steinbruchbesitzer baute das Erdgeschoss seines Hauses aus Bruchsteinen mit der besonderen Herausarbeitung der Eckquader, das Obergeschoss im Fachwerkbau mit einer späteren Verschieferung und passend dazu aufgesetzt das Krüppelwalmdach und eine Dachgaube für den Lastenaufzug.
Die Sprossenfenster und die moosgrünen Schlagläden im Erdgeschoss geben dem Gebäude die historische Vollkommenheit.
Dieses Haus wurde der Tochter Christine zur Hochzeit mit Alexander Court 1799 als Hochzeitsgabe geschenkt. A. Court tauchte ab 1810 als Gehilfe, Stellvertreter des Bürgermeisters Josef David Friederichs und Beigeordneter in Lindlar auf. Sein Vater allerdings wirkte bereits als Schultheiss und Richter im Amt Steinbach von 1783 bis 1797. Beide Familien gehörten zu den Lindlarer Honoratioren. Sein Arbeitsplatz war auch sein Wohnhaus in der Kamper Straße Nr. 1.
Mit der Eingliederung des Rheinlandes in das Preußische Königreich und der Neugliederung der Verwaltung 1815 wurde A. Court erster Preußischer Bürgermeister für die Bürgermeistereien Lindlar, Engelskirchen und Hohkeppel.
Gleichzeitig war er seit 1812 auch Postangestellter und behielt diese Position bis zu seiner Ablösung 1847.
Bekannt wurde Court durch seine Mitarbeit an der Renovierung des Langhauses der St. Severins Kirche in Lindlar.
Bürgermeister Court wurde 1836 plötzlich seines Amtes enthoben und auch seine Posthalterei wurde 1847 beendet. Er blieb in seinem Haus weiter wohnen und die nachfolgenden Bürgermeister Heinrich Bau und Friederich Bremer führten ebenfalls die Amtsgeschäfte von hieraus weiter.
Das Haus wurde 1858 verkauft und ging in den Besitz der Familie Kessler/Steinheuer über und wurde 1926 an die Gemeinde Lindlar verkauft, die dieses Gebäude als Dienstwohnung für die Bürgermeister Dr. F. Jung und F. Bergerhoff bis zum Ende des zweiten Weltkrieges bereit stellte. „Auch für einige Jahre nach dem Krieg wurde das Haus wieder zur Wohnung des Gemeindedirektors R. Fabritius und im Erdgeschoß hatte die Gemeindekasse ein Zimmer für die Verwaltung belegt“.
Danach wurde es zeitweise als Sitz der Lindlarer Notare oder als Arztpraxis genutzt. Ein wertvolles Haus für die Lindlarer Geschichte.
Weitere Impressionen:
Quellen und Recherche:
- Quelle:
- Fotos
- 2025 Eva Fielenbach
- GAL Fotos bis 1930 Nr. 81
- Text: B. Braatz, 2025