Nr. 007
Fronhof
Hauptstraße
- Ältestes Gebäude und Verwaltungshaus
- Verwaltungssitz für den Lehnsherren
- Eigentum war das Stift St. Severin in Köln
- Fron - Ableitung aus dem althochdeutschen "frono" (Herr, dem Herrn zugehörig)
Der Fronhof ist vom Ursprung her als das älteste Gebäude- und Verwaltungshaus in Lindlar anzusehen. Das Wohnhaus ist entsprechend der Bergischen Bauweise ein Fachwerkhaus und hatte im Laufe der Zeit eine Verschieferung nach allen Seiten erhalten. Dieses Haus ist nicht das ursprüngliche Haus, sondern führt die Standortbezeichnung weiter.
Der Name Fron ergibt sich aus der Ableitung des althochdeutschen „frono“, das „Herr“ oder dem „Herrn zugehörig“ bedeutet. Mit der Besiedlung des Bergischen Landes aus dem Rheintal hinauf in die Wälder des Bergischen Landes zogen die Bauern und rodeten, ackerten und kultivierten die Böden und legten Höfe und Weiler an. Einer dieser ersten Höfe im Bergischen war der Fronhof oder Herrenhof in Lindlar. Er war ein Verwaltungssitz für den Lehnsherren mit einem Hof- oder Lehnsgericht, dem Richter an diesem Hof, ernannt vom Lehensherren. Er war zuständig für die Streitigkeiten unter den Hofleuten und zuständig für die Abgabepflichten der Bauern an die Kirche in Lindlar bzw. an das Stift St. Severin in Köln. Er war Teil einer Grundherrschaft ursprünglich der Franken oder später des Herzogs von Berg. ie Straßenbezeichnung „Am Fronhofgarten“ sagt es bereits: „Wir befinden uns im ältesten Teil von Lindlar.“ Weitere Hofgründungen um den Fronhof bildeten den mittelalterlichen Kern des Dorfes.
In einer Urkunde von 1109 wurden erstmalig Gummersbach und Lindlar schriftlich erwähnt.
König Heinrich der V. und sein Kölner Erzbischof Friedrich I. unterzeichneten diese Urkunde, da sie die „Kathedralsteuer“ für beide Kirchen senkten. Die „Kathedralsteuer“ ging an den Erzbischof und wurde von 20 Schillinge gesenkt auf 10 Schillinge, mehr war hier in Lindlar nicht zu holen. Die Abgabe des „Zehnten“ an den Fronhof für das Stift St. Severin war davon nicht berührt, der musste weiter jährlich geleistet werden, während die Kathedralsteuer zu Kirchenbauzwecken alle 3 Jahre fällig war.
Neben den Ländereien außerhalb umfasste der Fronhof als einzelner Bauernhof ein Wohnhaus, das Wirtschaftsgebäude, den Hofraum und eine Fläche von 3 Morgen Landwirtschaft. Eine Kapelle, zunächst zu Ehren der Hl. Luzia und ein Pfarrer gehörten ebenso dazu. „Die kirchliche Struktur musste für die Bauern bereitgestellt werden.
Die Bauern des Fronhofes waren „Hörige“, die unmittelbar dem Grundherren, dem „Hofmeier“, gehörten und einem „Hofgericht“ unterlagen.
Mit der Vergrößerung der Rodungsflächen und dem Anwachsen der Zahl der Siedler (Hofstellen) wurde die jetzige Pfarrkirche St. Severin im 12. Jahrhundert gebaut.
Lehensherr und Eigentümer des Fronhofes war das Stift St. Severin in Köln. Auch hier gibt es eine Urkunde aus dem Jahre 1174 mit dem Hinweis auf die Besitzverhältnisse. Danach gilt für mehrere Jahrhunderte das Stift St. Severin in Köln als Besitzer und Nutzer des Hofes.
1663 verkaufte das Stift den Hof mit ca. 120 Morgen an Johann A. Schenk von Nideggen.
Im Jahr 1786 veräußerte der Oberamtmann Joseph von Brück den Fronhof mit ca. 150 Morgen an mehrere Einzelkäufer und nach mehreren Besitzerwechseln ging der Hof in den Besitz von Bäckermeister Otto Dobberstein im Jahr 1876. Dobberstein richtete ein Geschäft und eine Gastwirtschaft ein, verstarb früh und seine Frau Kunigunde führte das Geschäft weiter und übergab ihren Kindern in einem umfangreichen Testament 1908 das Vermögen weiter. Mittlerweile war aus dem Fronhof eine Gastwirtschaft mit Hotelbetrieb geworden.
Heute wird das Gebäude wirtschaftlich genutzt.
Weitere Impressionen:
Quelle und Recherche:
- Dr. Josef Gronewald, Lindlar, Häuser und Straßen, 1996
- Fotos:
- GAL 1931-1974 Nr. 713, Fotografin Clara Bourdin, o.D. aus GAL Sammlung Ursula Homberg Nr. 213
- GAL ab 1975 Nr. 958, Fotograf Ernst-Walter Kühn, 1996 aus GAL Sammlung Ursula Homberg Nr. 213
- Text: B. Braatz, 2025